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Fokusierung

Obwohl ich einen Kassenarztsitz für Chirurgie habe, bin ich rein „konservativ“, d.h. nicht operativ (man sagt orthopädisch) tätig. Daher werden Sie Operationsräume, eine eigene Röntgenanlage, ein Labor etc. vergeblich suchen.

Das Leistungsangebot hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, man könnte auch sagen „fokusiert“:

Zweitmeinung. ein hoher Prozentsatz an Patienten kommt aus eigenem Antrieb oder auf Empfehlung von sehr netten Hausärzten mit der Frage, ob es Alternativen zu diesen oder jenen Therapieempfehlungen gibt. Die zunehmende Unsicherheit durch zu viele, zu frühe oder auch gar nicht angezeigte Operationen nimmt kontinuierlich zu. Da scheint die Meinung eines erfahrenen Orthopäden/Unfallchirurgen mehr denn je gefragt. Denn leider hatten die jungen orthopädischen/unfallchirurgischen Kollegen in den Krankenhäusern heutzutage keine Gelegenheit mehr, (Kassen-)Patienten ambulant über einen längeren Zeitraum zu behandeln. Die vermeintlich von Armut bedrohten niedergelassenen Ärzte haben schon vor vielen Jahren dafür gesorgt, dass Krankenhäuser nur noch Notfälle behandeln dürfen und dass sog. Ermächtigungen auf ein- oder zweimalige Vorstellungen begrenzt werden.

Beratung. Wir wissen, dass viele Menschen bei Beschwerden an Gelenken von Armen und Beinen, an der Wirbelsäule und an sog. Weichteilen (Muskeln, Sehnen, Bändern) auch in Zeiten grenzenloser Informationsmöglichkeit Probleme haben, diese richtig einzuordnen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Begriffe wie „Bandscheibe, Arthrose, Spinalkanal, Meniskus, Kreuzband“ u.v.a.m. sind angstbesetzt. Und Angst führt bekanntlich oft zu irrationalen Entscheidungen und das kostet in der Regel Geld. Ich versuche anders vorzugehen: zuhören, mit dem Patienten gemeinsam nach Ursachen forschen und vor allen Dingen: gemeinsam Lösungen seines Problems zu suchen, ist meine Vorstellung von meinem Auftrag als Teil einer sehr komplexen Medizin. Bio-psycho-sozial zu denken ist nicht einfach. Es erfordert viel Zeit, Empathie und Erfahrung. Und dazu darf man den Menschen nicht als Kunden, sondern als hilfesuchend ansehen. Kunde ist er nur insofern, dass ich sein Dienstleister bin. Das hat bei mir aber auch Grenzen: wenn ich bemerke, dass Patienten nicht bereits sind, selbst etwas für ihre Heilung zu tun, sondern glauben/hoffen, dass ich Sie gesund machen kann, empfehle ich dringend, einen Heiler aufzusuchen. Mir fehlt dazu das Know-how.

Untersuchungen. Der Wert der körperlichen Untersuchung wird oft überschätzt. Bei einem Gerichtsverfahren wurde ich einmal als Gutachter gefragt: „wer drückt bei wem wie fest wohin“. Die Wissenschaft belegt dann auch, dass viele klinische, körperliche Untersuchungen nicht sehr viel Aussagekraft habe. Zudem bin ich der Meinung, dass man bei vielen Beschwerdebildern, die an der Wirbelsäule und an Armen und Beinen bestehen, den ganzen Menschen sehen sollte – aber nicht nur wie er sitzt oder steht. Er bewegt sich doch und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es viel interessanter, erkenntnisreicher und richtungsweisender ist, die Menschen in Bewegung zu sehen. Wo haben sie Blockierungen, verkürzen, sind zu mobil, zu steif/verkürzt, wie verändert sich ein Schmerz bei Bewegung oder beim Bewegen gegen Widerstand. Der Hintergrund ist der Gedanke an eine sog. funktionelle Anatomie.